3. Mai, 2016

Mein schönstes Ferienerlebnis

Zürich. Anfang Mai. Frühstück im Schweizer Hof: Der Raum ist überfüllt. Es regnet draußen. Man frühstückt dann oft ausgiebiger als sonst.
Eine Frau mittleren Alters, grauer Pferdeschwanz von einer schwarzen Kunststoffspange zusammengehalten, rote Strickjacke, fülliger Körper, Rucksack in Camouflage-Tupfen, zwängt sich etwas umständlich neben mich auf die lange gepolsterte Bank.
Schirme, Taschen und Jacken müssen beiseite genommen werden. Aber das ist alles "kais... Probläm", wie wir einander rasch versichern.
Es nimmt einige Zeit in Anspruch bis die Frau sich gesetzt hat. Sie ist allein. Es scheint auch keiner mehr erwartet zu werden. Bestellt sich ein Glas Champagner. Als die Bedienung wieder verschwindet, steht die Frau erneut auf, wieder etwas linkisch, mit tausend Entschuldigungen, sie geht eine durchziehen vor der Tür. Da war sie schon ans Herz gewachsen.
Sie kommt wieder hinein. Nippt ab und zu an ihrem Glas und schaut freundlich in die Runde. Als wir uns zum Gehen rüsten, wage ich es. Ich frage sie: "Na, Sie haben wohl etwas zu feiern?"
"Ja, da haben Sie ganz recht!", entgegnet sie. Und nach einer kurzen Pause, als wüsste sie nicht ganz sicher, ob sie das jetzt sagen sollte:
"Mein verstorbener Mann hat heute Geburtstag. ... Und Ihnen wünsche ich noch ganz einen schönen Aufenthalt."