6. Mai, 2016

Übergänge

Du musst lernen, dich besser anzugrenzen so ... ein gut gemeinter Ratschlag.

Abgrenzen. Das fiel mir schon immer schwer. Nicht nur bei mir selber. Auch bei allem anderen. Schaue man nur auf den Apothekerfrosch.

Allein der Name macht für mich jegliches Abgrenzen unmöglich. Man liest „Apothekerfrosch“ und schon ist man drin im Gedankenkarussell.

 Dann liest man nach und kriegt mit, dass der Apothekerfrosch seine Berühmtheit seiner Eigenschaft als natürlicher Schwangerschaftstest zu verdanken hat. In den 30er Jahren habe man Fröschen den Morgenurin einer potentiell Schwangeren injiziert und gewartet, ob der Frosch innerhalb der folgenden 18 Stunden zu laichen gedachte. Dem Frosch habe das nichts ausgemacht, heißt es. So war das eben.

Vielleicht. Vielleicht. ... Ei n grenzwertiges Gedankenspiel, ist es allemal, wenn man sich vorstellte, dem Menschen würde hie und da Froschmorgenurin (oder Morgenfroschurin?) gespritzt, worauf er unmittelbar mit der Spermienprodukion begänne. Aber Schluss mit diesen Unflätigkeiten.

 

Fakt bleibt: Grenzen sind im Grunde nicht zu ziehen. Sie sind fließend wie man sagt. Als seien sie ein Fluss. 

 

Der Fluss trägt uns ans Ufer des täglichen profanen Lebens. Mit all seinen enigmatischen Hinweisschildern, die einem gar nichts sagen. Vor allem nicht das, was wirklich interessant wäre.

Täglich zwangsparkt man in der Bredouille. Wo hört Genuss auf, wo fängt Missbrauch an? Was ist Flirterei, was Belästigung? Was ist Besorgnis, was Rassismus?

 

Der Übergange sind zu Unrecht als unwesentlich gebrandmarkt. Die Übergänge sind das, was wir viel viel mehr ins Auge fassen müssten. Weil sie dazugehören. Weil sie das Sammelbecken aller Widersprüche sind, die wir gern auszublenden versuchen, weil sie sich eben nicht so smooth an einen heranwanzen, keine simplen Erklärungen zulassen.

 

Und wir sollten nicht auf Menschen hören, die Grenzen hochziehen wollen, die einen solchen Schwachsinn von anderen fordern, sich „mehr abzugrenzen“. Wachsam sein bei Grenzwertigem. Wie z.B. als Politiker verkleideten Schubladen-Cowboys, die in Maghreb-Staaten reisen und das Rückporto hintragen. Die fordern, sich von Kinderaugen abzugrenzen. Solche verzollen doch auch ihre eigene letzte menschliche Regung. 

 

Es tut mir leid. Ich kann mich nicht abgrenzen. Wer ausschließlich mit dem Kopf denkt, ist vielleicht noch in einem Übergangsstadium. Irgendwas zwischen Frosch und Mensch. ;-)

 

U.G., 1. März 2016