21. Jul, 2016

Der Beginn der großen Ferien

Wenn das Jahr mal wieder an einem größeren Meilenstein angekommen ist, hat man manchmal Sehnsucht nach der Kindheit. Der Beginn der großen Ferien ist so Punkt.

Was war das aber auch für ein Gefühl, wenn vor einem acht sorglose, verheißungsvolle Wochen lagen? Draußen waren die Kirschen prall-rot am Baum, man strich um die Häuser, hängte sich Kirschenzwillinge über die Ohren und konnte sich noch nicht recht entscheiden zwischen aufgeschlagenen Kni...en und einem ersten Anflug an Verliebtheit. Fürs Ausruhen ist man zu jung und die Sinne zu wach. Du traust du dich schon ein bisschen zu denken, aber noch mehr zu hoffen, und deine Neugier aufs Leben ist so endlos wie der Horizont. Acht Wochen Sommer. Danach war man ein anderer Mensch, das fühlte man und man konnte es kaum erwarten.
Immer am letzten Dienstag vor den großen Ferien bestiegen wir mit Kantor Schubert als Highlight des Christenlehre-Jahres den Kirchturm. Etwas Besonderes, das sonst niemandem beschieden war, so empfanden wir das.

Ein bisschen zwiespältig die Gefühle immer beim Hinaufsteigen entlang des
engen, staubigen Gemäuers. Auf den schiefen, schmalen Stufen, an der Glocke vorbei, die plötzlich so einschüchternd groß und alles andere da unten nichtig erschien. Wenn man seine Initialen in der Umzäunung ganz oben dann eingeritzt hatte und alle anderen gelesen, dieses Gästebuch kurz unter den Wolken, und den letzten Blick auf die Stadt genommen, den anderen wichtig mitteilend, man habe sein Haus aus der Ferne entdeckt, dann war man bereit. Bereit für acht Wochen, in denen man mit einem anderen Blick die Dinge einfach auf sich zukommen lassen würde.

Auch wenn es keine acht Wochen mehr sind, wenn man sich schon mehr im Leben aufgeschlagen hat als die Knie, ... ich glaub, ab und zu auf einen Kirchturm, das sollte man tun. Solange man es noch schafft ... :-)