24. Mai, 2016

Exschwinger bodigte Dieb mit Hosenlupf

„Exschwinger bodigte Dieb mit Hosenlupf“. So lautete die mich äußerst beeindruckende Schlagzeile meiner ersten NZZ-Lektüre ein paar Tage nach meinem Zügeln nach Zürich. Zu diesem Zeitpunkt, so muss ich bekennen, wusste ich weder, dass der Begriff „Zügeln“ kein archaisch-rigoroses Erziehungsmittel bezeichnete, noch ahnte ich, was sich hinter dieser heiter anmutenden Schlagzeile verbarg.

Aufs Äußerste verinnerlicht hatte ich damals jedoch bereits, dass der genauere Blick auf die Nationalsportart über die Bewohner eines Landes einiges aussagt. Und dies beschränkte sich nicht nur auf die Legende, deren Grundlage ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zwischen dem schweizer und dem deutschen Mann in den Fokus rückt. Sie besagt: Werfe man in eine internationale Gangbang-Nummer einen Fußball, so seien es mit hundertprozentiger Sicherheit die deutschen Männer, die sofort vom Weibchen abliessen und dem Ball nachjagten. Dies wiederum würde den Eidgenossen, denen man hie und da nicht nur vorwirft, achtlos nach dem Akt, sondern bereits davor einzuschlafen, niemals passieren.

Während die Deutschen sich also offensichtlich nicht recht zwischen den Sportarten Fußball, Schnäppchenjagd  und „Meckern in heavy doses“ entscheiden können, liegt der Fall in der Schweiz bei weitem klarer auf der Hand.

Die eidgenössischste aller eidgenössischen Sportarten aber – so lernte ich bald - ist nicht der Fußball, sondern  das Schwingen: eine Art Sumoringen auf Sägemehl zur allgemeinen Volksbelustigung. Im Gegensatz zum zeigefreudigen, korpulenten Japankämpfer im Schlüppi jedoch kommen die Schwinger bei ihrer Sägespanbalgerei eher konservativ textil bedeckt daher. Nicht unapart ist der Hingucker in Form der keck aussehenden, aus Zwillich gearbeitete Hotpants, die allerdings ÜBER den Resttextilien getragen werden. 

Die Zwillich-Unterhose des Schwingers jedenfalls ist eine ernste Sache und muss wie alles in der Schweiz etwa 58 eidgenössische Qualitätsnormen erfüllen,  bevor sie für läppische 8500 Franken aufwärts erworben werden kann. Sie sind also nur geringfügig teurer als eine Monatsmiete für eine 1,5 Zimmer-Wohnung am Zürcher Stadtrand.

Seit langem treibt mich die Frage, ob die Sumo-Windeln nach einem Kampf  der Spitzenkämpfer denn auch in den berüchtigten japanischen Unterhosen-Automaten landen. Und wenn ja, von welcher Art Personen im Land der Lotusblüte diese wohl erworben werden.

Automaten für getragene Schwinger-Hosen habe ich auf Schweizer Boden jedenfalls noch nicht entdeckt, obwohl Verehrung für die Schwingerkönige in der Bevölkerung zur Genüge vorhanden zu sein scheint.

Die Schwinger, deren Könige breiten Bevölkerungskreisen erstaunlicherweise namentlich bekannt sind, erscheinen meist in der Gestalt fürs Ballet eher ungeeigneter, handfester Kerle, die mit jeder Pore ihres massiven Leibes auszustrahlen scheinen, dass man mit ihnen nicht nur auch mal eine Kuh fliegen lassen könnte, sondern dass diese auch aus 10 m Höhe auf sie hernieder fallen könnte, ohne ihnen auch nur das geringste damit anzuhaben.

In Deutschland musste ich viel Aufklärungsarbeit leisten. Dort ist man bekanntlich oft zu leichtfüßig unterwegs und natürlich auch einer allzu schnellen Gleichsetzung der SCHWINGER- mit der SWINGERSZENE zugetan.

Swinger – wir erinnern uns, das waren jene armen Kreaturen, bei denen beide Partner derart abgewutzelt sind,  dass eine Trennung kaum Aussicht auf einen neuen Lebensabschnittspartner brächte. Oder einfach jene, die sich gern praktisch davon überzeugen, dass der Verkehr mit fremden Personen mindestens genauso lausig oder aufregend sein kann wie mit Muddi oder Vaddi daheim.

Anstatt aber herablassend auf einander nieder zu blicken, könnten Schwinger und Swinger reichlich von einander lernen und profitieren. 
Warum nicht auch mal im Bett mit Sanktionen reagieren bei: „Einschaltung von Kunstpausen ohne ersichtlichen Grund, „Anwendung roher und gefährlicher Griffe, offensichtlicher Passiviät oder Verharren  in einer aussichtslosen Stellung“ - alles zur Besinnung anstiftende, veritable Schwinger-Wettkampfregeln?

Lassen wir also den Ruf eines der größten Philosophen des 21. Jahrhunderts, Robin Williams, nicht ungehört und schauen einmal mehr bewundernd zum eidgenössischen Nachbarn herüber: „Schwing when you’re winning“.