24. Jul, 2016

Frauen wollen rein

„Ich bin völlig verwirrt. Will er mich nur haben, nur weil er mich nicht haben kann?“
So stand der Satz im Raum. Herausgesprochen aus dem Fernseher. Er war nicht etwa von einer Vierzehnjährigen im Rahmen einer Teenager-Schmonzette dargereicht worden, sondern aus dem perfekt geschminkten Munde einer durchamerikanisierten Dame irgendwo zwischen 30 und 40 gefallen.
Die Serie hieß natürlich „Sex and the City“
und galt bekanntlich vor einigen Jahren als der Bringer in Sachen sexueller Emanzipation der Frau.

Das Schrittchen in Richtung Gleichberechtigung wollte man – trotz der gravierenden Shoppingsucht und der kaum altersgemäßen Tussihaftigkeit der vier Protagonistinnen darin erkannt haben, dass Frauen es nun endlich ihren männlichen Kollegen nachtun durften: Das herrlich unverblümte Reden über Belange, die sich südlich des Bauchnabels an intergeschlechtlicher Begegnung eben so abspielen.
Leider beruhte dies auf einer profunden Fehleinschätzung, denn tatsächlich tauschten sich die Enddreißigerinnen – allesamt mit so subtilen Persönlichkeitsprofilen ausgestattet, als seien sie gerade frisch den Grimmschen Märchen entsprungen - meist kichernd in Frauentagslaune über Explizitheiten aus, die ein Mann entweder nie oder nur unter Hypnose seinem Urologen erzählen würde. Zeilen wie

"Steht deine Vagina in allen New Yorker Reiseführern? Das müsste sie eigentlich, als heißester Punkt der Stadt! Und obendrein immer offen!" oder "Kindchen, beim Thema 'Sex' gilt: Reden ist Silber. Blasen ist Gold!" zeigten vor allem eines: Der überall besungene Humor der Serie war oft so beschaffen, dass er - wäre er von Männern dargeboten worden - als gesellschaftlich ächtenswert gälte.

 
Ich erinnere mich, dass ich einmal für einige Minuten in besagte Serie hineinschaute und mein Gatte im Hintergrund nur wenig später rief, ich möge das bitte ausmachen, das sei unter aller Würde. Er hatte selten so recht wie damit.

Dabei gönne ich einer jeden das Vergnügen, das man sicherlich auch bei der Serie haben konnte. Dann aber dürfte man folgerichtig die humoresken Vorlieben eines fidelen Dutzends von KfZ-Mechanikern auf Männertagsfahrt unter Einfluss der zweiten Batterie „Kleiner Feigling“ NIE wieder tadeln.

Als Mann beschliche mich mittlerweile das Gefühl, die Frauen hätten in einer geheimen Weltkonferenz beschlossen: „Von diesen Hoden wird kein Humor mehr ausgehen. Denn der geht ja ständig gegen uns!“

Auf allen Gebieten, die bisher weibliche ‚terra incognita’ zu sein schienen, muss Mutti jetzt mitziehen, überall will sie mitkrakeelen: In jeden dumpfen männlichen Trend, in jede Testosteron-Domäne will sie hineinschnuppern, immer mit dem Verdacht, dahinter könnte das Paradies lauern, das man ihr Jahrhunderte lang versperrt hatte. Will in der Küche nicht nur den Dienst an der Waffel, nein sie will auch zur Armee. Will zur Polizei und Chopper fahren, Kanzlerin sein und ins Waschbecken pinkeln. Wenn alle Frauen Unterhosen mit Eingriff tragen und mit dem Urologen auf „Du und Du“ sind, ist das Ding mit der Gleichberechtigung dann endlich durch?

Vielleicht sollten wir ein bisschen einhalten, liebe -Innen. Keine Frage: Dass mit dem Wahlrecht und den Unis, das musste sein. Auch muss der Gatte sicher nicht der einzige im Hause sein, der die PIN von der EC-Karte kennt. Aber diese groteske Gleichberechtigungs-Wahn-Nummer, die gerade bis zum Abwinken durchgezogen werden soll, ist – mit Verlaub – nicht nur lächerlich, sondern birgt auch gewisse Fährnisse!

Als wenn es uns nicht schon genügend Mühe bereite, die gnadenlose Bindegewebs-Evaluation der jeweils anderen unter der Dusche öffentlicher Sport- und Badeanstalten auszuhalten! Sollten wir dann WIRKLICH rein in die noch um einiges härtere Welt des Schwanzvergleiches? Und: Wenn Männer sich das Militär als Fortsetzung des Abenteuerspielplatzes mit anderen Mitteln ausgedacht haben, heißt das automatisch, wir müssen diesen Mist mitmachen?
Und dieses total Lockere und Unverkrampfte beim Dating, dieses „unkomplizierte Sexhaben“, ohne sich auf irgendwelchen langfristigen Kram einlassen, das bald so unverkrampft ist, dass man sich auch zeitgemäß einer Zugbekanntschaft gleich im Bordbistro hingibt, ist das tatsächlich progressiv? Warum nur mit ins Unglück rennen, sehenden Auges, dass schon die Männer mit dem Schwachsinn, den die Moderne so mit sich bringt, nicht klarkommen, weil eben die archaische Natur des Menschen, dieses lästige Seele, eben doch manchmal perfide hervorquillt? Weil sich dann doch immer wieder einer verliebt und dann das irdische Jammertal fröhliche Urständ feiert?

Lasst die Männer mal in Ruhe, allzu gleichberechtigungsenthusiastische Schwestern! Lasst die Kerle in der Garage vor sich hindümpeln, lasst sie auch mal unter sich sein,
lasst sie ihren Krieg alleine spielen! Lasst sie euch ruhig mal ins Dekollete spechten und einer gewissen Freude darüber Ausdruck verleihen. Mehr noch: Freut euch doch selber drüber! Wer wegen einer kleinen Anzüglichkeit gleich eine Sinnkrise kriegt, wie kommt der dann mit der Gleichberechtigung klar?

Wer Gleichheit zwischen einem bis an die Zähne bewaffneten Wolf und einem Schmetterling dadurch herzustellen sucht, indem man als Schmetterling neuerdings versucht, Lämmer zu reißen und den Wolf verklagt, wenn der wegen der schönen Schmetterlingsfarben verzückt ist, der denkt nicht mit.
Macht nicht alles MIT, macht vor allem nichts NACH, macht es BESSER! Flattert in den prächtigsten Flügeln dem Wolf vor der Nase herum, gereicht im zur Freude, führt ihn auch mal in die Irre spaßeshalber, lächelt über sein Rudeltum. Jedoch scheltet ihn nicht, dass er nicht fliegen kann. Aber vor allem: Schließt Frieden mit ihm! Der Wolf ist nicht der natürliche Feind des Schmetterlings. Das ist von der Natur gar nicht vorgesehen.
Gleichberechtigung versteht falsch, wer glaubt, sie sei Gleichheit von allem. Sie will nur Gerechtigkeit. Und die ist ja schon kompliziert genug!

(U.G., noch nicht ganz im Flatterhemd)